Wer an die georgische Küche denkt, dem kommt sofort ein Bild in den Sinn: kunstvoll gefaltete Teigtaschen, die dampfend auf großen Tellern serviert werden. Chinkali (international oft Khinkali geschrieben) sind weit mehr als nur einfaches Streetfood. Sie sind ein Symbol georgischer Gastfreundschaft, ein kulinarisches Kunstwerk und das Herzstück jeder geselligen Supra (der traditionellen georgischen Tafel).
Was sind Chinkali eigentlich?
Chinkali sind herzhafte Teigtaschen, die ursprünglich aus den Bergregionen des Kaukasus stammen, insbesondere aus Pschawi, Mtiuleti und Chewsuretien. Von dort aus eroberten sie das ganze Land und sind heute in jedem Restaurant von Tiflis bis Batumi zu finden.
Das Besondere an einem Chinkali ist nicht nur die Füllung, sondern der saftige Sud im Inneren. Beim Kochen gibt das Fleisch seinen Saft ab, der im Teigmantel gefangen bleibt. Das macht den ersten Biss zu einem explosiven Geschmackserlebnis.

Die Anatomie eines Chinkali
- Der Teig: Ein einfacher, aber elastischer Teig aus Mehl, Wasser und Salz. Er muss dünn genug sein, um elegant zu wirken, aber fest genug, um den heißen Fleischsaft zu halten.
- Die Füllung: Klassisch besteht sie aus einer Mischung aus Rind- und Schweinefleisch. In den Bergen nutzt man oft Lamm.
- Die Falten: Ein echter Profi faltet mindestens 19 bis 28 Falten. Je mehr Falten, desto geschickter gilt der Koch.
- Der „Kudi“ (Hut): Der dicke Teigknoten an der Spitze dient als Griff.
Wie isst man Chinkali?
Bevor wir zum Rezept kommen, müssen wir über die Etikette sprechen. In Deutschland nutzen wir gerne Messer und Gabel – bei Chinkali ist das jedoch ein absolutes No-Go!
- Hände benutzen: Greifen Sie den Chinkali am Teigknoten (dem „Hut“).
- Der erste Biss: Beißen Sie vorsichtig ein kleines Loch in die Seite der Teigtasche.
- Schlürfen: Trinken Sie den heißen Fleischsaft (die Brühe) durch das Loch aus, bevor Sie den Rest essen. Wer den Saft auf den Teller verschüttet, gilt als Anfänger!
- Der Hut bleibt liegen: Der harte Teigknoten oben wird traditionell nicht gegessen. Er dient dazu, zu zählen, wie viele Chinkali man geschafft hat. Ein kleiner Wettbewerb am Tisch gehört in Georgien dazu.
Das Originalrezept: Chinkali selber machen
Die Zubereitung erfordert etwas Geduld, aber das Ergebnis ist jede Minute wert.
Zutaten (für ca. 20–25 Stück)
Für den Teig:
-
1 kg Weizenmehl (Type 405 oder 550)
-
ca. 400–450 ml lauwarmes Wasser
-
2 TL Salz
Für die Fleischfüllung (Kalaki-Stil):
-
500 g Rinderhackfleisch
-
500 g Schweinehackfleisch (oder eine Mischung mit Lamm)
-
2 große Zwiebeln (sehr fein gehackt)
-
3-4 Knoblauchzehen (gepresst)
-
1 Bund frischer Koriander (fein gehackt – das wichtigste Gewürz!)
-
1 TL Kreuzkümmel (Cumin)
-
Salz und reichlich schwarzer Pfeffer
-
Geheimzutat: ca. 200–300 ml eiskaltes Wasser (für den Sud im Inneren)

Wie kocht man Chinkali zu Hause?
Die Zubereitung erfordert etwas Geduld, aber das Ergebnis ist jede Minute wert.
Zutaten (für ca. 20–25 Stück)
Für den Teig:
- 1 kg Weizenmehl (Type 405 oder 550)
- ca. 400–450 ml lauwarmes Wasser
- 2 TL Salz
Für die Fleischfüllung (Kalaki-Stil):
- 500 g Rinderhackfleisch
- 500 g Schweinehackfleisch (oder eine Mischung mit Lamm)
- 2 große Zwiebeln (sehr fein gehackt)
- 3-4 Knoblauchzehen (gepresst)
- 1 Bund frischer Koriander (fein gehackt – das wichtigste Gewürz!)
- 1 TL Kreuzkümmel (Cumin)
- Salz und reichlich schwarzer Pfeffer
- Geheimzutat: ca. 200–300 ml eiskaltes Wasser (für den Sud im Inneren)
Schritt-für-Schritt-Anleitung
1. Den Teig vorbereiten
Mischen Sie das Mehl mit Salz und geben Sie nach und nach das Wasser hinzu. Kneten Sie den Teig mindestens 10–15 Minuten lang. Er muss sehr fest und elastisch sein. Lassen Sie den Teig danach abgedeckt für mindestens 30 Minuten ruhen. Dies ist entscheidend, damit sich das Gluten entspannt und der Teig später nicht reißt.
2. Die Füllung anrühren
Mischen Sie Fleisch, Zwiebeln, Knoblauch und Gewürze. Geben Sie nun das eiskalte Wasser schluckweise hinzu und kneten Sie es unter das Fleisch. Die Masse sollte fast wie ein dicker Brei wirken. Keine Sorge: Das Wasser wird beim Kochen zur köstlichen Brühe!
3. Das Ausrollen
Rollen Sie den Teig etwa 1 cm dick aus und stechen Sie Kreise (ca. 8–10 cm Durchmesser) aus. Rollen Sie jeden Kreis einzeln nochmals sehr dünn aus, sodass der Rand dünner ist als die Mitte.
4. Das Falten (Die Königsdisziplin)
Legen Sie einen gehäuften Esslöffel Fleisch in die Mitte. Heben Sie den Rand an und falten Sie ihn ziehharmonikaartig rundherum zusammen. Drehen Sie den entstandenen Knoten oben fest zu und schneiden Sie den überschüssigen Teig mit einem Messer ab oder kneifen Sie ihn ab.
5. Das Kochen
Bringen Sie einen großen Topf mit Salzwasser zum Kochen. Erzeugen Sie mit einem Löffel einen Strudel im Wasser und lassen Sie die Chinkali vorsichtig hineingleiten (so kleben sie nicht am Boden fest). Wenn sie an der Oberfläche schwimmen und „auf dem Kopf“ stehen, lassen Sie sie noch ca. 7–9 Minuten garen.
Regionale Variationen
In Georgien gibt es je nach Region unterschiedliche Füllungen:
-
Khevsuruli: Die Ur-Form aus den Bergen. Nur Fleisch, Zwiebeln, Salz und Pfeffer. Keine Kräuter.
-
Kalakuri: Die Stadt-Variante (Tiflis) mit viel frischem Koriander und Petersilie.
-
Mokheve: Mit grob gehacktem Fleisch statt Hackfleisch für mehr Textur.
-
Vegetarisch: Sehr beliebt sind Füllungen mit Käse (Sulguni), Champignons oder Kartoffelbrei.