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Naturwein aus Georgien: Roher Geschmack, uralte Tradition und wilde Aromen im Glas

Naturwein aus Georgien ist naturbelassener Wein, der nach einer 8.000 Jahre alten Tradition mitsamt Schalen, Kernen und oft auch Rappen in großen, in die Erde eingelassenen Tonamphoren (Qvevris) spontan vergärt. Durch diesen Verzicht auf künstliche Hefen, Filterung und Zusatzstoffe entstehen extrem charakterstarke, bernsteinfarbene Weißweine (Orange Wine) und tiefdunkle Rotweine mit markanten Tanninen, wilden Kräuteraromen und enormer Lagerfähigkeit.

Ich sitze oft hier in Kreuzberg auf dem Balkon, öffne eine Flasche und bin gedanklich sofort wieder im Kaukasus. Wenn man das erste Mal in einem georgischen Marani (Weinkeller) steht und den Duft von feuchter Erde, Bienenwachs und gärenden Trauben einatmet, versteht man, warum dieses Getränk gerade die Weinwelt auf den Kopf stellt. Hier gibt es keinen Schnickschnack, keine chemischen Tricks aus dem Labor. Nur Trauben, Ton und Zeit. Wenn du dich generell für dieses Thema interessierst, schau dir unbedingt unseren Übersichtsartikel Naturwein aus Georgien: Roher Geschmack aus der Tonamphore an.

Keine neue Erfindung, sondern das Original

In Berlin, Paris oder Kopenhagen wird Naturwein oft als der heiße, neue Hipster-Trend verkauft. In Georgien schmunzelt man darüber. Dort macht man das seit acht Jahrtausenden so. Die Qvevris – riesige, mit Bienenwachs ausgekleidete Tongefäße – werden im Boden vergraben. Das sorgt für eine konstante, kühle Gärtemperatur.

Die Trauben kommen komplett rein. Haut, Kerne, manchmal die Stiele. Das nennt man Maischegärung. Gerade bei weißen Trauben passiert dabei etwas Magisches. Die Schalen geben Farbstoffe und Gerbstoffe (Tannine) an den Saft ab. Das Ergebnis ist kein blasser, säuerlicher Weißwein, sondern ein leuchtend bernsteinfarbener Tropfen, der Struktur hat wie ein Rotwein. Wer echten Georgischer Wein verstehen will, muss genau hier anfangen.

Bernstein im Glas: Die Magie von georgischem Orange Wine

Lass uns konkret werden. Wenn du das erste Mal einen Rkatsiteli oder Mtsvane aus dem Qvevri ins Glas gießt, erwarte keinen typischen Riesling oder Grauburgunder. Die Farbe leuchtet wie flüssiger Bernstein. Wenn du die Nase ins Glas hältst, riechst du getrocknete Aprikosen, geröstete Walnüsse, schwarzen Tee und manchmal einen Hauch von wildem Honig.

Am Gaumen ist das Zeug kräftig. Der Wein hat Grip, eine feine Adstringenz, die den Mund auskleidet. Es ist ein Wein, auf dem man fast kauen kann. Für den perfekten Einstieg (oder wenn du schon längst süchtig nach diesem Geschmack bist), lege ich dir den 6x Loladze RKATSITELI+MTSVANE QVEVRI trockener Orangenwein ans Herz. Die Kombination aus der robusten Rkatsiteli- und der aromatischen Mtsvane-Traube ist ein absoluter Klassiker aus Kachetien. Ein Wein, der an langen Abenden am Tisch immer wieder neue Schichten offenbart.

Saperavi: Dunkel, wild und ungezähmt

Die rote Königsrebe Georgiens heißt Saperavi. Der Name bedeutet wörtlich übersetzt „Farbe“ oder „Färber“. Und das ist wörtlich gemeint. Saperavi ist eine sogenannte Färbertraube – nicht nur die Schale, auch das Fruchtfleisch ist dunkel. Der Wein, der daraus entsteht, ist oft so tiefviolett, dass er fast schwarz wirkt.

Geschmacklich ist das pure Wildnis. Dunkle Waldbeeren, feuchter Waldboden, ein bisschen dunkle Schokolade und Tabak. Ein grandioses Beispiel für dieses Handwerk ist der Loladze SAPERAVI KHASHMI Rotwein trocken – 2023 – 0,75 l. Die Trauben aus der Mikrozone Khashmi sind berühmt für ihre dichten, extrem lagerfähigen Weine.

Weil eine Flasche bei einem guten Essen mit Freunden ohnehin nach einer Stunde leer ist, greife ich für gemütliche Runden direkt zum 3x Loladze SAPERAVI KHASHMI Rotwein trocken. Und wenn wirklich mal eine richtige georgische Supra (ein traditionelles Festmahl) ansteht, bei dem der Tisch unter Tellern zusammenbricht, dann muss es der 6x Loladze SAPERAVI KHASHMI Rotwein trocken sein. Besser kann man sich nicht ausrüsten. Wer gerne mischt, sollte generell mal bei unserer Rubrik Pakete vorbeischauen – da gibt es tolle Kombinationen zum Durchprobieren.

Wie man georgischen Naturwein richtig trinkt (und isst)

Diese Weine verlangen nach Begleitung. Sie sind nicht gemacht, um sie gedankenlos nebenbei zu nippen. Sie brauchen Essen mit Substanz. Die kräftigen Tannine im georgischen Orange Wine schneiden durch Fette und intensive Gewürze, wie ein scharfes Messer. Hier ein paar goldene Regeln für den maximalen Genuss:

  • Temperatur: Trink Orange Wine bloß nicht kühlschrankkalt! Bei 12-14 Grad blüht er auf. Den Saperavi genießt du am besten bei 16-18 Grad.
  • Luft geben: Qvevri-Weine sind oft ein bisschen verschlossen, wenn man den Korken zieht. Gönn ihnen eine Karaffe. Eine Stunde atmen lassen wirkt Wunder.
  • Das richtige Food-Pairing: Zu Orange Wine passt Pkhali (georgische Walnusspaste mit Spinat oder Roter Bete), Khachapuri (das legendäre Käsebrot) oder gegrilltes Geflügel. Der Saperavi schreit nach gegrilltem Schweinefleisch (Mtsvadi), Lamm oder kräftigen Auberginen-Eintöpfen.

Mein ehrliches Fazit

Georgischer Naturwein ist nichts für Leute, die einen glattgebügelten, immer gleich schmeckenden Industriewein suchen. Es ist ein Abenteuer im Glas. Manchmal ist er kantig, manchmal überraschend, aber immer ehrlich und tief verwurzelt in einer Kultur, für die Weinmachen kein Business, sondern eine Religion ist. Probier es aus, gib dem Wein ein bisschen Luft im Glas und lass dich auf diesen rauen, wunderbaren Geschmack des Kaukasus ein. Du wirst es nicht bereuen.