Naturwein aus Georgien: Warum du die Mutter aller Weine probieren musst
Naturwein aus Georgien wird traditionell in unterirdischen Tonamphoren, den Qvevris, spontanvergoren und ohne chemische Zusätze oder Filtration ausgebaut. Dieser 8000 Jahre alte Prozess verleiht georgischen Naturweinen wie dem bernsteinfarbenen Amber Wine (Orangenwein) oder dem tiefroten Saperavi ihre einzigartige Struktur, intensive Tannine und komplexe Aromen von getrockneten Früchten und Nüssen.
Vom Kaukasus in den Kiez: Kein Hype, sondern Handwerk
Neulich saß ich mit Freunden in Kreuzberg beim Abendessen, und das Thema kam mal wieder auf Natural Wine. Alle reden darüber, als hätte ein hipper Winzer in Paris das Konzept vor fünf Jahren erfunden. Ich muss dann immer schmunzeln. Wenn du einmal in Kachetien an einem offenen Qvevri gestanden hast, weißt du: Naturwein ist keine Modeerscheinung. Es ist die ursprünglichste Form, wie Menschen Wein machen.
Seit Tausenden von Jahren wird im Kaukasus so gekeltert. Das ist kein Marketing-Gag für Großstädter, sondern gelebte Geschichte, die in jedem georgischen Dorf an der Tagesordnung ist. Wer echten Georgischer Wein trinkt, hat im Grunde die Wiege der Weinkultur im Glas.
Qvevri und Maischegärung: Was georgischen Naturwein so besonders macht
In Georgien wird der Saft mitsamt den Schalen, Kernen und oft auch den Rappen (Stielen) in riesige Tonamphoren gefüllt, die tief in der Erde vergraben sind. Dort gärt der Wein bei konstanter Bodentemperatur ganz spontan durch die wilden Hefen auf den Traubenschalen vor sich hin.
Das Ergebnis ist Naturwein in seiner pursten, ungeschminktesten Form. Da wird nichts geschönt, nichts gefiltert, nichts mit Reinzuchthefen in eine gefällige Richtung gepusht. Die Traube und der Boden sprechen für sich. Wenn du noch genauer wissen willst, was unter der Erde passiert, lies dir diesen Beitrag durch: Echter Naturwein aus Georgien: Warum du den puren Geschmack aus dem Qvevri probieren musst.
Bernsteinfarben und griffig: Die Faszination Amber Wine
Wenn wir über kaukasischen Naturwein sprechen, kommen wir an den weißen Rebsorten Rkatsiteli und Mtsvane nicht vorbei. Weil sie monatelang auf der Maische liegen, ziehen sie nicht nur eine leuchtende Bernsteinfarbe aus den Schalen, sondern auch ordentlich Gerbstoffe. Im Glas riecht das dann nach getrockneter Aprikose, Walnussschalen, wildem Honig und einem Hauch von kaltem Schwarztee.
Auf der Zunge hast du plötzlich eine Textur, die du sonst nur von Rotwein kennst. Es zieht sich leicht zusammen, der Wein hat richtig Grip. Genau dieses Erlebnis hast du beim 6x Loladze RKATSITELI+MTSVANE QVEVRI trockener Orangenwein. Die Kombination dieser beiden alten Rebsorten aus dem Qvevri ist ein absoluter Kracher, der dich geschmacklich sofort auf eine sonnige Terrasse in Tiflis beamt.
Saperavi: Das dunkle, ungezähmte Herz Georgiens
Naturwein kann aber nicht nur orange. Die rote Rebsorte Saperavi ist eine sogenannte Färbertraube. Das bedeutet: Nicht nur die Schale ist dunkel, sondern auch das Fruchtfleisch. Wenn du einen Saperavi ins Glas einschenkst, ist der so tiefdunkelviolett, dass du kaum durchschauen kannst. Er riecht dicht nach reifen Brombeeren, dunkler Schokolade, feuchter Erde und warmen Gewürzen.
Mein aktueller Favorit für kalte Abende oder ein deftiges Essen ist der Loladze SAPERAVI KHASHMI Rotwein trocken – 2023 – 0,75 l. Der kommt aus der Mikrozone Khashmi, die für besonders strukturierte und kraftvolle Saperavis berühmt ist. Der Wein ist dicht, hat samtige, aber präsente Tannine und eine Säure, die das Ganze unglaublich lebendig hält.
Weil eine Flasche von so einem Stoff an einem guten Abend mit Freunden schnell leer ist, empfehle ich gleich den Griff zu den Vorratspaketen. Wir haben da den 3x Loladze SAPERAVI KHASHMI Rotwein trocken oder, für die richtige Supra (das georgische Festmahl), direkt den 6x Loladze SAPERAVI KHASHMI Rotwein trocken. Schau dir für solche Runden generell mal unsere Pakete an, da bist du für spontanen Besuch bestens gerüstet.
Food-Pairing: Was isst man zum kaukasischen Naturwein?
Georgischer Naturwein ist selten ein Wein, den man einfach nur so nebenbei auf der Couch wegnippt. Er verlangt nach Essen. Durch die Tanninstruktur und die kräftigen Aromen ist er der perfekte Begleiter für die wahnsinnig vielfältige, herzhafte Küche der Region.
- Zum Amber Wine: Pkhali (Pasten aus Spinat, Roter Bete oder Auberginen mit Walnüssen und Granatapfelkernen). Die Nussigkeit des Weins verbindet sich perfekt mit der Walnusspaste. Auch warmes Khachapuri (Käsebrot) wird durch die griffige Struktur extrem gut ausbalanciert.
- Zum Saperavi: Mtsvadi (georgische Schaschlik-Spieße vom offenen Feuer), herzhafte Eintöpfe mit Rindfleisch, Koriander und Estragon. Die erdigen, dunklen Noten des Weins brauchen Röstaromen und kräftige Kräuter.
Mehr zur kulturellen Bedeutung dieser Weine bei einem traditionellen Essen findest du übrigens in unserem Artikel Naturwein aus Georgien: Die 8000 Jahre alte Seele im Glas.
Meine Tipps für den perfekten Naturwein-Abend
Wenn du dir eine Flasche Qvevri-Wein aufmachst, gib ihr etwas Zeit. Diese Weine haben oft monate- oder jahrelang kaum Sauerstoff gesehen und schlummern in der Flasche vor sich hin.
Karaffiere den Wein am besten eine halbe Stunde vor dem Trinken. Du wirst merken, wie sich das Aroma im Glas minütlich verändert. Aus einer anfangs vielleicht etwas verschlossenen Note wird plötzlich ein ganzer Korb voller Gewürze und Trockenfrüchte.
Und noch ein Tipp zur Temperatur: Trink den Orangenwein auf keinen Fall eiskalt aus dem Kühlschrank. Bei 12 bis 14 Grad zeigt er sein volles Potenzial und seine ganze Struktur. Den Saperavi servierst du am besten bei 16 bis 18 Grad, so kommen die dunklen Beerenaromen am besten zur Geltung.
Fazit: Probier den wahren Geschmack des Kaukasus
Naturwein aus Georgien ist eine echte Erfahrung, fernab vom Mainstream. Er schmeckt anders als das, was wir hier im Standard-Sortiment finden. Er ist rauer, ehrlicher und unglaublich vielschichtig. Wer einmal die Faszination für diesen 8000 Jahre alten Ausbau im Qvevri entdeckt hat, kehrt selten zu glattgebügelten Industrietropfen zurück. Mach einfach mal eine Flasche auf, lad dir ein paar gute Leute ein und stell frisches Brot, Käse und Dips auf den Tisch. Genau so zelebrieren wir das in Berlin – und so macht man es in Tiflis.